Carol Rama
Kritiken (Auswahl 1 - 2)
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«Carol Rama
ist von jenem unbesonnenen
Temperament, das sich zum ersten Mal von zehn Jahren gezeigt hat, als sie in
der kleinen Galleria del Bosco, die dem Palazzo Campana gegenüber liegt,
gewisse dichte Figurenlarven ausstellte, die vor harziger und körniger
Flüssigkeit aus der Retorte trieften.
Die Künstlerin hungert nach Kenntnissen und Erfahrungen, nach unbeständigen
Beziehungen,
nach wankenden Vorhaben: so wie eben heute
jeder sein muss, der sich wie sie und viele Andere bewegt
zwischen dem Wunsch, endlich einen Ort zum Bleiben zu finden, und dem -
schon erwarteten - Widerstreben, diesen Ort zu
akzeptieren, als ob man damit ein tödliches Risiko einginge.» |
Carol Rama in der Galerie Il Fauno, Turin 1973 |
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«Wer Carol kennt,
wer ihre Ausdrucksweise kennt, weiss, dass es einen
Satz gibt, den sie besonders mag und oft benutzt: “fa
vissuto, das ist Teil des Erlebten”. Es ist ein Ausdruck, der sich auf jeden
Gegenstand anwenden lässt, der die Zeichen der Zeit an sich trägt, der
zugibt, benutzt worden zu sein. In ihrem Fall greift diese Redensart
zärtlich ein, um im Falle eines irreparablen Tellerrisses oder eines
unlöschbaren Flecks auf einem Möbel oder einem Kleid zu trösten. Aber der
Ausdruck ist nicht immer ein Trostwort. Er erzählt vor allen Dingen von dem
tiefen Schrecken, den Carol vor all dem hat, was keine Vergangenheit, keine
Geschichte hat - und nicht einmal haben will. Er drückt auch aus, dass die
Vergangenheit unbedingt Abnutzung und Korruption
bedeutet, die bis zu dem Grad vorangetrieben werden, an dem sich die
Benutzung in ihr Gegenteil verwandelt. Jeder Gegenstand kommt also mit der
irritierenden Gabe seiner ursprünglichen Unschuld zur Welt, die möglichst
rasch gelöscht werden muss: die Abnutzung muss ihn
zeichnen - ihn nötigenfalls ruinieren und entstellen
- damit möglichst bald der bestechende, aber lebenswichtige Beweis eben des
Erlebten sichtbar wird.» |
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«Aber wer ist nun
eigentlich Olga Carol Rama? |
![]() Carol Rama und Lea Vergine, 1984 |
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«So häuft sich, bei
Mäusen, Polypen, Kröten, Fröschen, Gerippen, Körpern, Künsten, Kapitellen,
Kränzen, Geschlechtsorganen, Augen, Samt, Farbresten und Architekturen die
Kunst Carol Ramas, um Dinge zu vereinigen, Kontakte herzustellen, das Leben
klar zu zeichnen, mit wachen Sinnen, Sanftheit, Offenheit und einer immer
währender Bejahung.» |
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«Carol hat einen
langen Weg hinter sich, der die Summe ständiger Ausbrüche ist und
sie dazu gebracht hat, sich in immer wieder anderen Gebieten zu
versuchen (sagen wir einmal immer wieder neue Krater zu schaffen): Den
Impulsen ihrer aggressiven Schüchternheit, ihrer unschuldigen
Frechheit folgend, ist sie immer auf der Suche nach
dem, was auf den ersten Blick nicht das Thema ihrer Darbietung darstellt.» |
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«Im Grunde lag für
Carol wohl immer schon die Anstrengung darin, etwas, was sie mit aller Macht
zum Unförmigen zu verdammen drohte, in eine Form zu zwingen. » |
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