Carol Rama

Kritiken (Auswahl 1 - 2)

 

«In der Malerei von Carol Rama scheint mir höchst beunruhigend der Moment, in dem sie das Licht versucht; unter Licht verstehe ich die bizarre Phorpohoreszenz, die harte Helle, die fast überfliessende Leuchtmaterie. Ein Licht also, das nicht vom Himmel kommt, also weder Sonne noch Mond ist und auch an keine anderen Lichtquellen erinnert, Laterne, Brand, Feuer, verzehrenden Krieg. Auf ihre Weise ist mir die Nachtmalerei von Carol Rama angenehmer: Ich kenne ihre Art, den Katafalk der Nacht zu untersuchen, um ihm Fleischfetzen, Anspielungen auf das Leben, Zitate aus totengleichen Bildern, Flügelschlagen montruöser aber unterwürfiger Vögel zu entreissen.»
aus: Giorgio Manganelli, «Luce e tenebre», in Carol Rama, Casa del Mantegna, Mantova, 1988
 

 

Carol Rama mit Paolo Fossati, 1994

 

«Ohne auffällige Dramen oder Traumen und ohne naturalistische Tränen geschieht es hier, dass Carol Rama mit einem unerwarteten lebendigen und lebensbejahenden Zug   Zeichen und Signale zusammenfügt, die von so grosszügiger Halsstarrigkeit sind, dass sie jede Richtung sehen und in Erinnerung rufen können, wie um zu beweisen, dass körperlich oder im Traum oder in der Furcht Alles gesehen und bewiesen und provoziert und nebeneinander gesetzt worden ist. Unglaubliche Märchen, aber auch Riten, wenn es wahr ist, dass sich die Szene auf der Leinwand aus mannigfaltigen Tätigkeiten aufbaut, Zeichnung und Anspielung, Materialansammlung und plötzliche Farblavierung, mit einem Rhythmus von höchster esoterischer Abkunft, der dem Ritus und den entsprechenden Märchenerzählungen zur Seite steht.»
aus: Paolo Fossati (Hsgb.), Carol Rama, Monografie veröffentlicht anlässlich der Retrospektive im Circolo degli Artisti in Turin, Allemandi, Turin, 1989
 

 
 


«Im hohen Alter hat Carol Rama wieder zu tanzen begonnen: mit der Radierung. Sie
hüpft hin und her zwischen Fred Astaire und den angeschlagenen Zähnen einer lebensmüden Kuh. Die Pressemitteilung, die mir wohl per Fax zugekommen ist, berichtet, dass es dem Kritikerfreund Fossati und dem Kunstdrucker und Verleger Franco Masoero gelungen ist, Carol nach Jahren der Abstinenz wieder einer Radierpresse nahe zu bringen. Sie hat sich mit kindlicher Naschhaftigkeit sofort daran gemacht, mit Acquatinten und Büttenpapier zu werken, mit Zuckertusche und fröhlichen Säuren, mit der hexenhaften Wollust einer Köchin, die eben der Gefangenschaft einer Jahrhunderte dauernden Untätigkeit entrunnen ist.»
aus: Marco Vallora, «Tracce soavi di cattiveria purissima», in Carolrama, Franco Masoero Edizioni d’Arte, Torino, 1998
 

   
  Cadeau für Carol

Liebe hat große Lippen und einen kleinen After,
Adamsapfel der schwillt in der Hand:

Liebe hat neun Brustwarzen und ein Auge,
mit Nabel und Ohr, in einem Knie:

Liebe hat einen Fuß, auf Penis geschminkt,
hat Haarurin in echten Venen:

Liebe hat Gelenke mit Vulven und Speichel,
hat einen großen Zeh der das Zahnfleisch kratzt:

Liebe hat einen Fingernagel aus Backenzahn im Derma,
Stimmband aus Pusteln und Sperma:

Liebe hat die Pupillen aus Mark und aus Haut,
mit Zungenbändern aus Falten in den Achseln:

Liebe hat ein Hühnerauge aus Nasenflügeln,
Haare an der Zunge, Knoten an den Krampfadern:

Liebe beißt, mit stummem Kiefer,
alle Titten, in allen Gedärmen

aus: Edoardo Sanguineti, Cadeau (Mappe), Franco Masoero Edizioni d’Arte, Turin, 2000
 
 

Carol Rama bei der Eröffnung der Ausstellung Louise Bourgeois e Carol Rama, Galerie Franco Masoero,  Turin 2000

 
 
 
 

«Ich male aus Instinkt und ich male aus Leidenschaft
und aus Zorn und aus Gewalt und aus Trauer
und aus einem gewissen Fetischismus heraus
und aus Freude und gleichzeitig aus Melanchonie
und vor allem aus Wut.»
Carol Rama zu Ivana Mulatero und Lisa Parola, 1996, in Luigina Tozzato, Claudio Zambianchi (Hrsg.), Edoardo Sanguineti, Carol Rama, Franco Masoero Edizioni d’Arte, Turin, 2002

 
 
     
home Carol Rama Ausstellungen

Biografie